Die Welt im Jahr 2036

2024 beginnt die Zeit des Umbruchs. Durch das Tornetz wird die Welt massiv erschüttert und verändert: unkontrollierte Migration, ungeahndete Verbrechen, der Zusammenbruch ganzer Wirtschaftszweige und Staaten ... Nachdem das per DNA-Code lückenlos kontrollierte Beamen eingeführt worden ist, länderspezifische Sperrungen und Visa durchgesetzt wurden und die neue Technologie zu einem Wirtschaftsboom in vielen Teilen der Welt geführt hat, sieht die Lage 2036 so aus:

Verkehr

(Elektro-)Traktoren und Transporter sind nur noch für Landwirtschaft und Wirtschaft zugelassen, alle anderen nutzen – wenn überhaupt – E-Bikes oder Laufroboter. Flugzeuge, Hubschrauber, Schiffe etc. gibt es nur noch wenige, und die gehören dem Militär oder Hobbysportlern.

Die Straßen verfallen, sofern sie nicht durch lokale Initiativen – allen voran die Mobilen-Kommunen – gewartet werden. Ehemalige Bahnhöfe, Flughäfen etc. werden zu Wohnraum oder Industriehallen umgebaut.

In Ballungsgebieten steht alle paar Meter eine Torkabine. Einige Diktaturen halten ihre Bevölkerung jedoch noch vom Tornetz fern – „Tore ohne Grenzen“ versucht unter Lebensgefahr immer wieder, Tore dort zu installieren. In geschützten Gebieten (militärische und Naturschutzgebiete oder verseuchte Areale) gibt es nur wenige Tore, die zudem nicht allgemein zugänglich sind.

Die schlimmste soziale Strafe im Jahr 2036 ist, vom Tornetz ausgeschlossen zu werden. Die sogenannten Outlaws verlieren dadurch in der Regel ihre sozialen Bindungen und schließen sich – oft in gesperrten Gebieten – zu Outlaw-Gemeinschaften zusammen.

Lebensräume

Nach einem Run auf Wohnraum in unberührten Naturgebieten, der dank der Tore problemlos erschlossen werden konnte, sind viele inzwischen wieder in die Städte gezogen. Dort war der Wohnraum anfangs sehr billig – bis klar wurde, dass Städte ohne Verkehrslärm ausgesprochen attraktiv sein können. Menschen, die nur wegen eines Arbeitsplatzes migriert waren, kehren in Scharen in ihre Heimatländer zurück, da jeder Arbeitsplatz nun von überall aus erreichbar ist. Die Mobilen – eine Bewegung, die sich gegen das Tornetz wendet und auf „echte“ Gemeinschaft baut – bekommen großen Zulauf, immer mehr Mobilen-Kommunen entstehen. Nur dort wird auch die dezentrale Energiegewinnung und -speicherung weiter ausgebaut und erforscht, damit man von dem Strom, der durchs Tornetz verteilt wird, unabhängig ist.

Politik

Nie waren Einwanderungskontrollen so effektiv wie jetzt: Wer ein Tor benutzt, dessen Weg ist nachvollziehbar. So schützen Staaten sich vor unerwünschten Einwanderern. Wenn die auf anderem Wege ins Land kommen, werden sie zurückgebeamt. Die Staaten selbst verlieren allerdings immer mehr an Bedeutung. Die UNO, die das Tornetz kontrolliert, ist mittlerweile die wichtigste Organisation der Welt.

Wissenschaft und Technik

Die Energieversorgung wird nur noch zu einem kleinen Teil durch die Solarthermie-Anlagen in Afrika und die Windparks an den Küsten sichergestellt: Der größte Teil wird direkt auf dem Merkur gewonnen. Eine Bergbaustation am Südpol des Mondes sorgt für Nachschub an seltenen und wichtigen Metallen. Sonden mit Toren an Bord sind zu verschiedenen Asteroiden unterwegs, wo man zum Beispiel Tantal, Lithium und Wolfram abzubauen hofft. Die Raumfahrt erlebt einen neuen Boom. Bemannte Raumstationen können die Besatzung alle paar Stunden wechseln, und Sonden bringen Tore immer tiefer ins All. Menschen sollen folgen, sobald die Tore installiert sind. Das Beamen eines Menschen erfordert beim ersten Mal viel Zeit, aber dann ist sein Muster gespeichert. Bei weiteren Beamvorgängen wird sozusagen nur ein Update der Änderungen vorgenommen, daher geht es sehr schnell. Um Termine in einer globalen Welt mit unterschiedlichen Zeitzonen zu koordinieren, benutzt man übrigens den zusammenrollbaren Nachfolger des Smartphones: das MoPad.

Wirtschaft

Die Automobil- und die Transportindustrie sind zusammengebrochen, aber neue große Wirtschaftszweige sind entstanden. An erster Stelle ist die Torindustrie mit der Zentrale in Dublin zu nennen, aber auch Elektro-(Mini-)Fahrzeuge sind begehrt, und auch die landwirtschaftliche Erschließung bislang unzugänglicher Gebiete wird vorangetrieben. Neue Berufe wie „Migrationsmanager“ und „Makler“ entstehen. Makler sind spezialisierte Fachleute, die die Recherche angesichts des unüberschaubaren weltweiten Marktes übernehmen. Sie kommen ins Haus und bringen – je nach Wunsch – beispielsweise 40 Sorten fettarmen Ziegenkäse aus allen Teilen der Welt zum Probieren mit, oder 20 lila Kleider in Größe 42, oder ...

Natur

Schutzzonen ohne Tore bzw. mit Toren, die nur wenigen zugänglich sind, werden eingerichtet. Damit werden Ökosysteme geschützt, aber auch Kulturgüter und Gebiete, die aus religiösen Gründen tabu sind, wie die Berge in Bhutan, die als Wohnsitz der Götter gelten. Dadurch, dass das Straßennetz weitgehend aufgegeben wurde und der Verkehr fast auf Null reduziert wurde, sind Wanderwege von Tieren wiederhergestellt worden, die jahrzehntelang unterbrochen waren. Ihre Bestände erholen sich, und in Deutschland sind beispielsweise wieder viele Bären zu finden.